Eine Kulturnation im Niedergang
oder: Osrandils kunterbunte Mischung
eBooks für Arme
15. September 2007 um 19:22 | In Nicht kategorisiert, eBooks 2 KommentareAmazon präsentiert nächsten Monat angeblich einen eBook-Reader, SONY hat seinen Reader aktualisiert, die eine oder andere Firma wird in Kürze folgen. Eigentlich sind solche eBook-Reader ganz interessante Dinger. Man stelle sich vor: Sämtliche Werke von Henry Rider Haggard und ein Wörterbuch auf so einem Gerät mit einem Display aus elektronischem Papier, das mit einer Akkuladung eine kleine Ewigkeit durchhält.
Die Realität sieht leider so aus, dass jeder Hersteller gerne seine eigenen eBooks verkauft, nicht selten teurer als die Papierfassung, und eine Volltextsuche bietet meines Wissens der Sony Reader gar nicht. Dafür ist er mit 300$ aber auch erschreckend günstig. Und so toll dieses elektronische Papier auch ist, es hat gegenüber anderen Displaytechniken einen offensichtlichen Nachteil: Man braucht eine Leselampe, wenn man im Dunkeln lesen will.
Aber wenn man mal genau hinschaut, stellt man fest, dass es schon ziemlich lange eine Fan-Gemeinde elektronischer Bücher gibt, die praktisch auf jedem Gerät ihre Texte lesen, dass mehr als zwei Pixel gleichzeitig darstellen kann. Für mich klang das immer ziemlich Hardcore, aber ich habe es probiert und bin inzwischen anderer Meinung.
Mein Handy ist eine technisch allenfalls zweifelhafte Gurke. Was die Java-Grundfunktionen angeht, ist es ganz gut ausgestattet, aber das Display mit seinen mageren 132×176 Pixeln erschien mir nicht gerade ideal, um dicke Bücher zu lesen. Probiert habe ich es trotzdem, und es geht ganz prima.

Meine aktuelle Lösung gefällt mir wirklich gut. Ich kann den Text um 90° gedreht anzeigen. Es wird kein Platz für irgendwelche Status- oder Scroll-Balken verschwendet. Die Schriftgröße kann ich beinahe beliebig einstellen, ebenso den Zeilenabstand. Es gibt eine Volltextsuche, beim Programmstart lande ich sofort an der Stelle, wo ich zuvor aufgehört habe zu lesen, ich kann Lesezeichen setzen. Hier ein Bild mit einer etwas größeren Schrift – es ginge durchaus noch größer:

Der Weg dorthin war aber ziemlich gruselig: Auf ManyBooks.net gibt es jede Menge Bücher, die man sich im praktischen JAR-Format runterladen kann. Das sind Java-Programme, die Anzeiger-Software und Buchinhalt vereinen und auf praktisch jedem Java-fähigen Handy funktionieren. ManyBooks hat sogar eine ganz minimale Website speziell für Handys. Ich kann mir also bequem am PC die Nummern der Bücher raussuchen, die ich auf dem Handy haben will, navigiere dann mit dem Internet-Browser des Handys auf diese Sparseite, gebe die Nummer dort ein, wähle das JAR-Format und bin fertig. Soweit so gut. Dummerweise haben diese JAR-Bücher Anzeigeprobleme, ab und an verschwindet mal ein halbes Wort oder auch zwei ganze. Da hier alles Rütteln nichts brachte, habe ich mir ein Anzeigeprogramm besorgt, nämlich ReadManiac, um dann damit Bücher im TCR-Format zu lesen. Die gibt es auch bei ManyBooks, unverständlicherweise aber nicht auf der Sparseite für Handys, sondern nur auf der umfangreichen, die eigentlich für Nutzer mit PC gedacht ist. Es war also gar nicht so einfach, mit dem Handy die TCR-Datei überhaupt zu erreichen, aber dann speicherte der Handy-Browser die Datei nicht, sondern versuchte sie selbst zu öffnen und scheiterte. Das Ende vom Lied: Ich habe die Datei mit dem PC geladen, umbenannt, auf meinen Webspace hochgeladen, von dort mit dem Handy wieder heruntergeladen, dort umbenannt und konnte sie nun lesen.
Ich muss dazu sagen, dass es unter anderen Umständen auch einfacher sein kann. Es war mir leider nicht möglich, die TCR-Datei per E-Mail an mein Handy zu übertragen. Mit einem Datenkabel könnte man die TCR-Dateien auch ganz einfach auf das Handy kriegen, aber dank der bekannten Siemens/BenQ-Problematik habe ich nicht diese Möglichkeit.
Fazit: Das Lesen funktioniert sehr viel besser als ich dachte. Ich war zuerst ausgesprochen skeptisch, aber nun werde ich mit Sicherheit die acht verfügbaren Tarzan-Romane auf dem Handy lesen; es spricht einfach nichts dagegen. Der Weg zum Buch erscheint mir noch recht holperig und verlangt ein bisschen Pioniergeist, ist aber durchaus zu meistern. Wenn man bedenkt, dass hinter ManyBooks und all den Programmierern dieser kleinen Java-Tools ein paar Enthusiasten stecken, und keine großen Firmen, ist die Funktionalität, die man am Ende erhält, schon sehr beachtlich.
2 Kommentare »
Einen Kommentar hinterlassen
Powered by WordPress with modified Pool theme design by Borja Fernandez.
Also mir wäre die Darstellung des Textes auf dem Siemens-Mobilfunktelefon auf den ersten Blick nicht gut genug, um ein ganzes Buch zu lesen. Aber man gewöhnt sich ja an vieles.
Kommentar von Niceyard — 22 Dez 2007
Sind alle Kommentare hier so giftgrün?
Kommentar von Niceyard — 22 Dez 2007